Frau mit Migräne

Wenn das Denken den eigenen Kopf überfordert ‒ Migräne als psychosomatisches Phänomen

Gehören Sie auch zu jenen Menschen, die viel von sich selbst fordern, nach außergewöhnlichen Leistungen und Erfolg streben? In unserer heutigen Leistungsgesellschaft ist dieser Anspruch schon zur Normalität geworden. Doch gerade deshalb gilt es, auch die eigenen Grenzen und das Ruhebedürfnis von Gehirn und Nervensystem zu beachten.
Migräne scheint ein Phänomen zu sein, mit dem ein „heißgelaufenes“ Nervensystem sich selbst eine Ruhepause verordnet. In Deutschland haben fast 18 Millionen Menschen Migräne, wobei etwa doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen sind.
Die Migräne gehört zu den quälendsten neurologischen Krankheitsbildern. Mediziner verstehen darunter einen attackenartigen, meist einseitigen und heftig pulsierenden Kopfschmerz. Oft kommen weitere unangenehme Begleiterscheinungen wie Übelkeit, starke Geräusch- oder Lichtempfindlichkeit hinzu.
Eine Migräneattacke kann bis zu drei Tagen dauern (in einigen Fällen sogar länger) und zwingt die Betroffenen in der Regel zum Rückzug und zur Bettruhe. Ein weiteres Nachgehen von Arbeiten und sozialen Aktivitäten wird durch den Migräneanfall verhindert.
Die Migräne ist häufig „ererbt“ und begleitet die Betroffenen meist über weite Teile ihres Lebens. Deshalb ist es hilfreich, den eigenen Körper möglichst gut kennen und einschätzen zu lernen. Es gilt, über mögliche auslösende Faktoren Bescheid zu wissen. Dabei sollten insbesondere auch psychologische bzw. psychosoziale Hintergründe mit einbezogen werden, also jene seelischen Faktoren, die eine Migräneattacke bahnen können.
Inzwischen hat die Forschung herausgefunden, dass Migräne auf eine neurologische Besonderheit zurückzuführen ist. Reize werden früher und schneller vom Gehirn aufgenommen und verarbeitet. Das Nervensystem von Migränepatienten tendiert also verhältnismäßig schnell dazu, unter Hochspannung zu geraten. Zu schnelle oder zu lang andauernde Reizverarbeitung kann einen Zusammenbruch der Energieversorgung des Nervensystems zur Folge haben.
Die angeborene „Fähigkeit“ zur Migräne bewirkt jedoch noch keine Schmerzen. Erst bestimmte Auslöser und das ungünstige Zusammentreffen innerer und äußerer Faktoren bringen eine Migräneattacke in Gang.
Umso wichtiger ist es, dass Sie rechtzeitig entgegen steuern. Hierbei hilft nicht nur die Kenntnis äußerer Stressfaktoren, welche einen Migräneanfall begünstigen können. Es lohnt sich auch, den eigenen erlernten Umgang mit Stresssituationen näher unter die Lupe zu nehmen. Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie können dabei eine gute Hilfe sein.
Mute ich mir vielleicht zu sehr zu? Stelle ich mein Streben nach Anerkennung über die Bedürfnisse meines Körpers? Auch unterdrückte Emotionen können zu körperlicher Anspannung führen und die Gefäßregulation im Gehirn beeinträchtigen.
Das Erlernen eines Entspannungsverfahrens kann dabei sehr hilfreich sein, da Sie so inneren Spannungszuständen, welche einen Migräneanfall begünstigen, bereits im Entstehen effektiv entgegenwirken können. Durch das regelmäßige Üben einer für Sie passenden Entspannungsmethode lernen Sie sich und Ihren Körper besser kennen ‒ und erhalten so die Chance, dem unangenehmen Spannungskopfschmerz rechtzeitig zuvorzukommen.
Je besser Sie sich, Ihren Körper und Ihre Denkmuster kennen, je mehr Sie für regelmäßige Ruhepausen und Entspannung sorgen, desto besser können Sie auch mit Ihrer Migräne umgehen lernen und sich weniger von ihr einschränken lassen.